Haltegriffe im Flur und Wohnbereich richtig anbringen
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Haltegriffe im Flur und Wohnbereich richtig anbringen

Hinweis: Dieser Artikel bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle Pflege-, Sozial- oder Rechtsberatung. Leistungen, Beträge und Fristen ändern sich, bestätige den aktuellen Stand bei deiner Pflegekasse, der Wohnberatung oder dem zuständigen Amt. Stand: 2026.

Ein loser Läufer im Flur oder eine glatte Fliese am Übergang zum Wohnzimmer reicht oft schon aus, damit jemand nach einem Klinikaufenthalt wieder stürzt. Haltegriffe an den richtigen Stellen fangen genau diese Momente ab, den Schritt aus dem Bad, die Drehung im Flur, das Aufstehen vom Sessel.

Warum der Flur beim Sturzschutz oft übersehen wird

Wenn Angehörige über Wohnraumanpassung nachdenken, fällt der Blick fast automatisch auf Bad und Toilette. Der Flur bleibt außen vor, obwohl dort viele der alltäglichen Wege zusammenlaufen: von der Wohnungstür zur Küche, vom Schlafzimmer zum Bad, oft über Türschwellen, Ecken und schmale Durchgänge. Gerade nach einer Operation an Hüfte oder Knie fehlt in diesen Übergängen häufig die Kraft, sich kurz abzustützen, ein Haltegriff schließt genau diese Lücke.

Auch der Wohnbereich selbst ist relevant: der Weg vom Sessel zum Rollator, das Aufrichten aus tiefen Sitzmöbeln oder der Übergang zur Terrassentür. Wo viel Bewegung stattfindet, sollte auch Halt vorhanden sein, nicht nur dort, wo es klassischerweise nass wird.

💡 Gut zu wissen: Plane die Griffe entlang der tatsächlich genutzten Wege, nicht nach Schema F. Beobachte einen normalen Tagesablauf und markiere die Stellen, an denen sich die Person schon jetzt an Möbeln oder Wänden abstützt.

Wo Haltegriffe im Flur und Wohnbereich wirklich Sinn ergeben

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Typische Stellen sind der Bereich direkt neben der Wohnungs- oder Zimmertür, Richtungswechsel in engen Fluren, der Übergang über eine Türschwelle sowie die Sitzgelegenheit im Wohnzimmer, von der aus regelmäßig aufgestanden wird. Auch neben der Garderobe, wo beim An- und Ausziehen von Jacke und Schuhen kurzzeitig nur ein Bein Halt gibt, ist ein Griff oft sinnvoller als gedacht.

Nicht jede Wand ist dafür geeignet. Vor der Montage sollte geprüft werden, ob sich hinter der Wandoberfläche tragfähiger Untergrund befindet, bei Gipskartonwänden braucht es andere Befestigungen als bei Massivwänden. Diese Prüfung übernimmt idealerweise ein Sanitätshaus, ein Handwerksbetrieb mit Erfahrung in Wohnraumanpassung oder eine Wohnberatungsstelle vor Ort.

Welche Ausführung zur jeweiligen Situation passt

Haltegriffe gibt es als feste, wandmontierte Modelle, als klappbare Varianten für Stellen, an denen sie im Alltag nicht dauerhaft im Weg stehen dürfen, und als freistehende Stützen, die ohne Bohrungen auskommen. Für den Flur sind meist waagerechte oder leicht schräg montierte Griffe entlang der Bewegungsrichtung sinnvoll, im Wohnbereich neben Sitzmöbeln eher senkrechte oder winklige Modelle, die das Aufstehen unterstützen.

SituationPassende Ausführung
Richtungswechsel im FlurWaagerechter Wandgriff entlang der Laufrichtung
Aufstehen vom SesselSenkrechter oder winkliger Griff neben der Sitzgelegenheit
Übergang über TürschwelleGriff beidseitig der Schwelle oder Rampe in Kombination
Wechselnde Bedürfnisse, MietwohnungFreistehende Stütze ohne Bohrung

Was vor der Montage zu klären ist

Bevor gebohrt wird, lohnt sich eine kurze Bestandsaufnahme: Wo genau stützt sich die Person heute schon ab? Welche Wege werden mehrmals täglich zurückgelegt? Und ist die Wand an der gewünschten Stelle tragfähig? Eine Wohnberatungsstelle kann hierfür einen Hausbesuch anbieten und die Position gemeinsam mit euch festlegen, das verhindert, dass ein teuer montierter Griff am Ende an der falschen Stelle hängt.

Bei Mietwohnungen kommt eine weitere Klärung dazu, die im nächsten Abschnitt beschrieben wird.

Auch die Höhe der Montage sollte nicht nach Gefühl, sondern nach der Körpergröße und den tatsächlichen Bewegungsabläufen der Person festgelegt werden. Ein zu hoch montierter Griff zwingt zum Strecken, ein zu niedriger zum Bücken, beides erhöht statt senkt das Sturzrisiko. Am besten wird die Position gemeinsam mit der Person vor Ort ausprobiert, etwa mit einem provisorisch gehaltenen Griff, bevor die endgültige Bohrung erfolgt.

Wenn im Haushalt bereits ein Rollator oder ein Gehstock genutzt wird, sollte das bei der Planung mitgedacht werden: Griffe entlang des Flurs sollten so positioniert sein, dass sie den Bewegungsraum für das Hilfsmittel nicht einschränken, sondern ergänzen. Es macht keinen Sinn, einen Griff genau dort zu montieren, wo der Rollator abgestellt wird oder wenden muss.

⚠️ Achtung: Montiere Haltegriffe nie provisorisch in Hohlwände ohne geeigneten Dübel oder Unterkonstruktion. Ein Griff, der beim Abstützen aus der Wand reißt, ist gefährlicher als gar kein Griff.

Zuschuss über die Pflegekasse beantragen

Haltegriffe zählen zu den wohnumfeldverbessernden Maßnahmen nach §40 Abs. 4 SGB XI. Die Pflegekasse bezuschusst solche Umbauten mit bis zu rund 4.180 € je Maßnahme (Stand 2026, bei der Pflegekasse bestätigen). Voraussetzung ist mindestens Pflegegrad 1. Wichtig: Der Antrag muss vor Baubeginn gestellt werden, sonst entfällt der Zuschuss in der Regel.

Leben mehrere pflegebedürftige Personen in derselben Wohngemeinschaft, kann der Zuschuss entsprechend mehrfach greifen, bei einer gemeinsamen Maßnahme wird er aber gebündelt und nicht einfach addiert. Frag hierzu gezielt bei der Pflegekasse nach, bevor ihr Angebote einholt.

  1. Bedarf mit Wohnberatung oder Sanitätshaus klären und Stellen festlegen
  2. Kostenvoranschlag einholen
  3. Antrag bei der Pflegekasse stellen, bevor ein Handwerker beauftragt wird
  4. Nach Bewilligung montieren lassen und Rechnung einreichen

Mietwohnung: Zustimmung und Rückbau

Wer zur Miete wohnt, braucht für bauliche Maßnahmen wie Haltegriffe in der Regel die Zustimmung des Vermieters. Das gilt unabhängig davon, ob die Pflegekasse einen Zuschuss zahlt. Hol die Zustimmung schriftlich ein und kläre dabei gleich, ob bei Auszug ein Rückbau verlangt wird, das kann später Kosten sparen. Freistehende Stützen ohne Bohrung sind eine Alternative, wenn der Vermieter bauliche Eingriffe ablehnt oder die Situation nur vorübergehend ist.

In der Praxis reagieren viele Vermieter gelassener auf Haltegriffe als auf größere Umbauten wie einen bodengleichen Duscheinstieg, weil sich Griffe vergleichsweise unauffällig wieder entfernen lassen. Trotzdem gilt: Auch kleine Maßnahmen sollten schriftlich abgestimmt werden, damit später keine Unklarheit über Kostenübernahme beim Rückbau entsteht. Bewahrt die schriftliche Zustimmung zusammen mit dem Bewilligungsbescheid der Pflegekasse auf.

Wenn sich der Bedarf im Lauf der Zeit ändert

Pflegebedarf ist selten ein einmaliger Zustand. Was heute an einer Stelle ausreicht, kann in einigen Monaten nicht mehr genügen, etwa wenn sich Beweglichkeit oder Gleichgewicht weiter verändern. Es lohnt sich deshalb, die Situation nach einigen Wochen erneut zu beobachten und bei Bedarf nachzujustieren, zusätzliche Griffe an weiteren Stellen, eine andere Höhe oder die Ergänzung durch ein Hilfsmittel wie einen Rollator. Die Wohnberatung kann auch bei einer solchen Nachjustierung erneut hinzugezogen werden, ohne dass dafür ein neuer großer Aufwand entsteht.

💡 Gut zu wissen: Die kommunale Wohnberatung ist in den meisten Fällen kostenlos und neutral, sie verkauft nichts, sondern berät unabhängig zu Umbauten, Zuschüssen und Anbietern. Ein guter erster Anlaufpunkt vor jeder Investition.

Häufige Fragen

Brauche ich für jeden Haltegriff einen eigenen Antrag?

Nein. Mehrere Griffe in Flur und Wohnbereich lassen sich meist als eine gemeinsame wohnumfeldverbessernde Maßnahme beantragen. Wichtig ist, dass der Antrag alle geplanten Stellen umfasst und vor Beginn der Arbeiten bei der Pflegekasse eingereicht wird.

Was passiert, wenn ich erst nach der Montage einen Antrag stelle?

Dann läuft man Gefahr, den Zuschuss zu verlieren, da die Kassen in aller Regel eine vorherige Antragstellung verlangen. Kläre den Ablauf deshalb immer zuerst mit der Pflegekasse, bevor ein Handwerker beauftragt wird.

Zählt ein Haltegriff im Wohnzimmer genauso wie einer im Bad?

Ja. Entscheidend ist, dass die Maßnahme die häusliche Pflege ermöglicht oder erleichtert beziehungsweise eine möglichst selbstständige Lebensführung unterstützt, das trifft auf Flur und Wohnbereich genauso zu wie auf das Bad.

Wer hilft bei der Auswahl der richtigen Position, wenn ich unsicher bin?

Wohnberatungsstellen bieten häufig Hausbesuche an und legen gemeinsam mit euch die Positionen fest. Auch Sanitätshäuser mit Erfahrung in Wohnraumanpassung können beraten, bevor Angebote eingeholt werden.

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Veröffentlicht durch die Pflege-Einstieg-Redaktion. Veröffentlicht am 18. September 2026.

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